Chris on Tour

Mein Jahr in Australien, Indonesien, Japan, Neuseeland, Singapur und V.A.E.

13Dezember
2013

Endlich eine Arbeit

Die heiße Sonne brennt auf die rote Erde herunter. Die Luft über den hochbewachsenen Hügeln flimmert. Der Schweiß rinnt einem von der Stirn in die Augen. Die Fliegen werden von dem neongelben Arbeitsshirt wie magisch angezogen. Einige fliegen auch ganz bereitwillig als Snack für Zwischendurch in den Mund. Der löchrige Boden lädt dazu ein, ständig umzuknicken, was auch mindestens zwei mal am Tag passiert. Der Körper ächzt unter der Last der Bäume, die zu Haufen gestapelt werden müssen, und die Muskeln brennen vor Anstrengung. Die Kettensägen um einen herum dröhnen extrem laut. Daumengroße "Bull Ants" (Ameisen) versuchen, meistens erfolgreich, einen zu beißen und mit ihrem unbeschreiblich brennendem und quälendem Gift zu füllen. Und dann ist da noch der dämliche Engländer. Falls er mal keine winzigen Stöcken, die selbst für einen Chihuahua zu klein wären, sammelt, ist er damit beschäftigt seine Handschuhe aus und wieder an zu ziehen, zu trinken oder einfach nur blöd in der Gegend rum zu stehen.

So in etwa könnte man meinen Arbeitsalltag beschreiben, wenn man Pessimist wäre. Als Optimist würde es etwa so klingen:

Ich habe täglich die Möglichkeit neue Landschaften und Häuser kennen zu lernen, sie zu verschönern und somit etwas Gutes zu tun. Das Wetter ist jeden Tag super und ich kann den ganzen Tag an der frischen Luft verbringen. Durch die ständige körperliche Anstrengung kann ich mir das Fitness Studio sparen. Auch da mir immer wieder Fliegen in den Mund fliegen, habe ich keine Kosten fürs Mittagessen. Ich kann interessante Aboriginie Medizin am eigen Körpern anwenden indem ich den Saft aus Pflanzen auf die Bull Ant Bisse reibe. Mein Boss und die Kollegen (bis auf den Engländer, aber der wurde inzwischen eh schon wieder gefeuert) sind sehr nett und entspannt. Sie bringen mir jeden Tag neue Begriffe in australischem Slang bei, was mir auch hilft mein Englisch zu verbessern. Und das Beste ist, dass ich für diese Tätigkeiten sogar noch bezahlt werde.

Alles in Allem kann man sagen dass jeder Tag beide Seiten bietet. Mal ist es extrem anstrengend und nervig, dann ist es wieder sehr lustig mit den Kollegen un die Arbeit ist abwechslungsreich. Die anfängliche Unzuverlässigkeit meines Chefs hat sich jetzt, da er sieht dass ich ein guter Arbeiter bin, auch gelegt. Dank unserem Firmenwagen wird uns fast von jedem freundlich zu gewunken, da die Mentalität der Australier super ist. Am motivierendsten ist aber dann doch der Lohn. 22$ pro Stunde, 8-10 Stunden am Tag, 5-6 Tage die Woche. Das ganze 2 Monate lang. Was das insgesamt ausmacht, könnt ihr dank eurem Grundschullehrer alle selbst ausrechnen.

Ich kam diese Woche auf die Idee mir selbst die Haare zu schneiden. Ging n bisschen schief aber egal, hier kennt mich ja keiner, deswegen muss ich mir nichts denken. Da es dann auch schon egal war, probierte ich dann auch noch ne neue Bart Variation aus.

Am Mittwoch durfte ich mir frei nehmen um mit dem Boot des Gastvaters, aufs Meer raus zu fahren, und zu fischen. Das bedeutete um 4 aufstehen, und im Morgengrauen raus aufs Meer. Das Boot zu Wasser zu lassen war relativ einfach, ich musste es einfach nur im Meer festhalten und aufpassen dass es nicht gegen die Felsen kracht. Als wir dann loslegen wollten, ging alles schief. Ein Verbindungskabel zwischen Motor und Lenkrad riss und es war unmöglich zu steuern. Da wir immer mehr auf die Felsen zu trieben, mussten wir irgendwie wieder zurück an den Strand. Während Trent den Motor manuell mit der Hand, bzw beiden Armen steuerte, musste ich das "Gas" betätigen. Da ich noch nie mit einem Boot gefahren bin und nicht wusste wie weit man den Gashebel vor oder zurück ziehen muss, gab ich erst n paar mal Vollgas bis ich den Dreh raus hatte. Wieder heil am Strand angekommen mussten wir das Boot wieder auf den Anhänger hieven. Da dies etwas länger dauerte, blieb dann auch noch der Anhänger und das Auto im Sand stecken, was zu noch mehr Stress führte. Nachdem dies dann auch wieder irgendwie bewältigt war, ging's durchnässt und mies gelaunt heim. Da ich den Tag aber dann nicht einfach mit dem als einzigem Event enden lassen wollte, rief ich meinen Chef an, ob ich nicht doch arbeiten könnte. Also ging's um 7 ab zur Arbeit, die dann bis um 6 dauerte. Nach 15 Stunden auf den Beinen konnte ich dann endlich heim und mich ausruhen.

Die restlichen Tage waren immer so wie oben beschrieben. Morgen werde ich mir mal wieder einen Tag am Strand gönnen, da es 34 Grad heiß wird. Und 34 Grad fühlt sich hier um einiges heißer an, als in Deutschland. Ich hoffe ihr habt jetzt einen guten Eindruck von meiner Arbeit bekommen, falls ihr was wissen wollt, fragt einfach.

Bis bald, euer Chris