Chris on Tour

Mein Jahr in Australien, Indonesien, Japan, Neuseeland, Singapur und V.A.E.

29Oktober
2013

5 Jobangebote, 50 Asiaten oder die Tour meines Lebens

Es ist wirklich so. Wenn man etwas plant, kann man garantiert drauf wetten dass es nicht funktioniert. Wie sah mein Plan aus? Der erste in etwa so: Erstmal einen Job finden, arbeiten, Geld verdienen, mir ein paar schöne Wochen und Monate in Melbourne machen. Wie ja bereits beschrieben, liefs mit den Jobs etwas schleppend, das Wetter und die Stadt selbst haben mich nicht umgehauen.

Plan Nr. 2: Nachdem ich ca. 10 Backpacker Gruppen in Facebook beigetreten bin, sah ich jeden Tag, wie dutzende Menschen einen Platz in ihrem Auto anboten, Reisepartner suchten, und voller Vorfreude ihr Australien Abenteuer planten. Dann wurde ich von einem netten Mädchen angeschrieben, ob ich nicht Interesse hätte, mit ihr und ihren 2 Freunden die Great Ocean Road (eine der schönsten Küstenstraßen Australiens) zu fahren. Ich machte die Entscheidung erstmal von dem Jobinterview am selben Abend abhängig (dazu später mehr). Den restlichen Tag freute ich mich aber schon wahnsinnig auf die Möglichkeit, der Stadt und ihrer Tristesse zu entfliehen. Ich malte mir aus wie es nun weitergehen würde. Von Melbourne nach Adelaide, den ganzen Tag auf der wunderschönen Küstenstraße. Von Adelaide dann eine Outback Tour ins Herz des Kontinents, den berühmten Ayers Rock und die einsame Landschaft besichtigen. Danach nach Darwin und in den Regenwald. Von dort nach Cairns: Surfen, Schorcheln im Great Barrier Reef, Fallschirmspringen über dem Riff, an traumhaften Stränden relaxen. Danach die komplette Ostküste wieder runter. Hört sich perfekt an? Das dachte ich mir auch. Kostet halt alles Geld, aber im Endeffekt sind es nur Zahlen auf einem Papier. Soweit Plan B. Alles erleben, das Leben genießen und alles hinter mir lassen. Doch wie bereits erwähnt wirds mit den Plänen meistens nichts.

Ich öffnete mein Email Postfach: 2 Emails mit Jobangeboten, mein Handy klingelte: Ein weiteres Job Interview. Allerdings auch um 19:00 Uhr, genau wie das andere. Handy klingelt nochmal, erneutes Jobinterview, dass ich dann aber schonmal abgelehnt habe da ich ja nun reisen wollte. Da mir aber jeder von diesen Personen die Möglichkeit gegeben hat, zurückzurufen, stehe ich nun vor der Entscheidung: Spaß haben und eins der interessantesten Länder der Welt erkunden oder lieber Geld verdienen? Die Frage stell ich mir immer noch.

Was das erste Jobinterview betrifft: Sehr, sehr, sehr komisch. Man schrieb mir dass ich in professionellem Aufzug kommen sollte, deshalb dachte ich mir ein schwarzes Hemd würde es schon tun. Trotz dieser relativ seriösen Jobbeschreibung und dem Telefonat mit dem Team Leader, ließ ich mein Bargeld und meine Kreditkarten zu Hause beziehungsweise im Hostel, was aber leider zurzeit mein Zuhause ist. Ich dachte mir Vorsicht ist besser als Nachsicht (aber eigentlich sind meine Wertgegenstände dort unsicherer als irgendwo anders). Mit dem was mich vor Ort erwartete habe ich allerdings nicht gerechnet: Es erwarteten mich 50 Asiaten im Anzug, Frauen im Abendkleid, vor einem Wolkenkratzer im Herzen Melbournes. Ich wurde von meinem Team Leader jedem einzelnen vorgestellt, schüttelte tausend Hände und mir wurde das Gefühl gegeben, ich sei der, auf den sie sehnlichst gewartet hätten. Aber es war super all diese wirklich netten Leute zu treffen, mein Englisch wurde auf einmal viel besser und mir fielen Wörter ein die ich normalerweise nie sage. Nachdem die große Begrüßung mit den Leuten aus Shanghai, Tokio, Seoul und Kuala Lumpur vorbei war (30 min),  ging es in einen großen Konferenzsaal aus dem Partymusik dröhnte. Es wurden wieder Hände geschüttelt, ich wurde erneut vorgestellt, und musste immer wieder auf die Frage ob wir uns nicht draußen schon begegnet seien, mit "könnte sein" antworten. Denn - sorry für die Aussage, aber es ist doch wirklich so - sie sehen einfach alle gleich aus! Ich befand mich nun also unter all diesen Asiaten in dem Konferenzraum, das Licht leicht gedimmt, ein Dj der Musik auflegte, ein Fotograf und ein Mann auf einem Podest mit goldenem Microphon. Ich dachte mir die ganze Zeit was zur Hölle hier eigentlich passiert, und was ich hier soll?! Nach ein paar einführenden Worten wurde der Multimillionär, der wie man mir mitteilte, die Firma gekauft hatte, angepriesen. Von nun an hörte man eine Motivationsrede, bei der es darum ging dass wir alle in diesem Raum ebenfalls Millinonäre werden können, dass er nichts Besonderes sei, nicht schlauer oder smarter als wir und so weiter. Anfangs hing ich wirklich an seinen Lippen da er über wirklich großartige rhetorische Fähigkeiten verfügte, und wusste wie man die Leute zum Zuhören und Nachdenken bringt. Das Marktmodell das er uns dann präsentierte, basierte auf einem Netzwerk das wir ganz einfach aufbauen können und mit dem wir bis zu 40,000 Dollar die Woche verdienen können. Das allerdings erst als 7 Star Diamond Member. Egal, ich schweife zu sehr aus, im Grunde ging es um ein USANA Health Paket das man monatlich kaufen sollte um Punkte zu bekommen, und je mehr Punkte man in seinem ganzen Netzwerk hat, desto mehr Geld verdient man. Da das aber für mich eher nach einem Lebensverändernden Job, und auch ein wenig nach semilegalem Drogenhandel klang, sagte ich nein und ging mit einem sehr, sehr komischen Gefühl nach Hause. Auch interessant wie schnell die gute Stimmung und die guten Mienen der Asiaten verschwinden konnten.

Jetzt muss ich mich noch entscheiden ob ich mich aufmache und das Land erkunde, oder ob ich hier bleibe. Ich lass es euch das nächste Mal wissen, bis Bald,

Euer Chris

PS: Wenn ich euch zu ausführlich werde dann beschwert euch einfach bei mir.

PPS: Bilder wurden nachgeliefert.