Chris on Tour

Mein Jahr in Australien, Indonesien, Japan, Neuseeland, Singapur und V.A.E.

Berichte von 01/2014

17Januar
2014

Ereignisreiche Zeit

So, nach längerer Zeit ohne Eintrag muss ich auch mal wieder ein Lebenszeichen von mir geben. Die letzten Wochen hier war sehr abwechslungsreich und turbulent. Erstmal zurück zum Anfang.

Nach Weihnachten verließ ich die Gastfamilie bei der ich gelebt hatte, und zog bei meinem Arbeitskollegen Levi ein. Hier geht alles drunter und drüber, es hängen den ganzen Tag etliche Freunde von ihm rum, saufen und kiffen den ganzen Tag und müllen das Haus zu. Allesamt sehr abgestürzte Typen. Falls also von euch jemand vorhat, Drogen und Alkohol über einen längeren Zeitraum exzessiv zu konsumieren, könnt ihr gerne hier her kommen und euch die Folgen davon ansehen. Die ersten Nächte musste ich auf dem Boden schlafen, da es hier kein freies Bett oder eine Couch gab auf der ich schlafen konnte. Jetzt hab ich immerhin eine durchgelegene Matratze. Das Wort Geschirrspülen ist hier auch ein Fremdwort, deshalb muss ich das übernehmen. Hin und wieder verschwindet auch mal wieder mein Essen, deshalb hab ich es jetzt nichtmehr in der Küche sondern in meinem Zimmer gebunkert.

Ich musste dann auch fast gleichzeitig mit meinem Einzug bei meinem Kollegen wieder zum arbeiten anfangen. Eigentlich sollten wir ja zwei Wochen Urlaub bekommen - mein Chef und die anderen hatten auch Urlaub - nur ich musste arbeiten. Allerdings nur 2-5 Stunden am morgen was im Prinzip echt gut war, da ich früh aufstehen musste, n bisschen Geld nebenher verdient hab, und trotzdem noch an den Strand fahren konnte und das Leben genießen konnte. Mir wurde also alle Verantwortung übertragen, alleine zu den Arbeiten fahren und das zu erledigen, dafür bekam ich das Arbeitsauto und alle Geräte und Maschinen. Meine Tage sahen also super aus, Geld verdienen am Morgen, dann Kochen und dann an den Strand, surfen, schwimmen und trainieren. Ich bin jeden Tag am Strand entlang gelaufen und hab mein Workout dann dort absolviert. Dort gibt es eine hohe Sanddüne die sich perfekt für intensives Intervalltraining eignet. Ein paar mal rauf und runter und danach ins kühle Wasser springen und sich von den Wellen treiben lassen. Einfach göttlich, und hundert mal besser als in nem stickigen Fitness Studio. Am Abend habe ich immer den Sonnenuntergang von einem Aussichtspunkt der gleich ums Eck von meiner Wohnung liegt, genossen. Dort brach sich das Licht teilweise spektakulär mit dem Wasser und den Wolken, sodass von orange über rot bis rosa jede Farbe am blauen Himmel vetreten war.

Es war also eigentlich alles perfekt, und natürlich passiert genau dann etwas.

Ich war grade auf dem Weg zum Strand, und fuhr auf einer sogenannten Gravel Road, die man vll von Australien Bilbänden kennt. Rote Erde, Warnschilder mit Kängurus, und etlichen anderen Wildtieren und eigentlich kein wirklich befahrbarer Untergrund. Im leichten Dämmerlicht übersah ich ein Opposum und bin ausgewichen. Da ich mit einem Auto unterwegs war, dass vermutlich noch vor dem 2. Weltkrieg gebaut wurde, gab es natürlich keine Traktionskontrolle oder ABS. Ich schlitterte also wie auf Eis und versuchte das Auto wieder unter meine Kontrolle zu bringen - vergeblich. Ich krachte mit voller Wucht in ein paar massive Bäume und kam zum Stehen. Komplette Front und Fahrerseite eingedrückt und zerstört, sämtliche Spiegel und Lichter kaputt, der Sitzgurt der mir das Leben gerettet hat gerissen. Ich schaffte es wie durch ein Wunder unbeschädigt aus dem Fenster zu klettern und lief zurück zu dem Strandparkplatz. Dort war die Polizei grade auf Streife, vermutlich auf der Suche nach Backpackern die illegal campen, und konnte den Unfall gleich aufnehmen und mich in die Stadt fahren. Die nächsten Tage verbrachte ich noch in einem Schockzustand und noch unwissend wie es weitergeht. Mein Chef war nämlich fern von jeglicher Zivilisation campen, sodass er von niemandem erreicht werden konnte. Nach langen 3 Tagen kam dann das "Urteil". Auto war nicht versichert, 5000 Dollar Schaden, die ich in den nächsten Wochen abarbeiten sollte. Anfangs hab ich das akzeptiert da ich gedacht hab alles wäre meine Schuld, als ich allerdings mit ein paar Leuten geredet hab, wurde mir Nahe gelegt dass ich guten Gewissens einfach gehen könnte ohne einen Cent zu zahlen, da es nicht mein Problem ist, dass er sein Auto nicht versichert hat. Also hab ich mir überlegt was ich am besten mache, da ich ja wenn ich einfach gehen würde keinen Job und somit auch keine Einnahmequelle mehr hätte. Also hab ich in einem ruhigen Gespräch ausgehandelt dass ich einfach für die Hälfte meines Geldes weiterarbeite. Das reicht um gut über die Runden zu kommen und gleichzeitig auch noch was zur Seite zu legen. Jetzt arbeite ich also wieder ganz normal wie zuvor, nur härter und länger als sonst.

Erst gestern hatten wir den ganzen Tag einen Umzugs Job, bei dem wir mehrere Lkws mit unglaublich schweren Möbeln entleeren mussten. Als Möbelpacker hab ich mich zwar nicht all zu dumm angestellt, vom Eigentümer wurde gleich die "Deutsche Effizienz" konstatiert als ich einen Vorschlag zur schnelleren und einfacheren Entladung gemacht hab. Allerdings hatte ich noch nie einen so harten und anstrengenden Tag, sodass Möbelpacker wohl nicht an die Spitze meiner Traumjobs kommt. Als wöchentliches Workout kann ich es aber nur empfehlen.

Letztes Wochenende gingen mein Chef, ein paar Kollegen und ich campen. Er erzählte mir dass wir in einen 700km entfernten Nationalpark fahren, dort einen Berg besteigen und an einem wunderschönen Strand halt machen. Auf dem Rückweg würden wir dann ein paar Sleepers aufladen und zurückbringen. Unwissend was Sleppers sind, war ich sofort dabei, und hatte Lust das Land weiter zu erforschen. Wir fuhren also frühmorgens los, und machten uns für den Roadtrip bereit. Die endlosen Straßen, all die unmessbar großen Farmgebiete und die übergroßen Roadtrains die unsere Wege kreuzten, waren sehr beeindruckend.

Nach ein paar Stunden kamen wir dann an unserem ersten Stop, einem schneeweißen Strand, an und nahmen ein Bad in dem kristallklaren, türkisen Wasser. Ich wusste zwar dass die Strände um Esperance gerade dafür berühmt sind, aber es war nochmal was anderes in Echt da zu sein.

Ab diesem Zeitpunkt wurden die Bierpausen immer länger und die Fahrzeit immer kürzer. Schließlich erreichten wir unser Ziel, den Berg "Peak Charles" kurz vor Sonnenuntergang. Nach Stundenlanger Fahrt durch Wüste und Busch, ragte der Berg der nur 600 Meter hoch ist, wie ein absolutes Monstrum auf. Die Besteigung war anfangs noch recht lustig, mit zunehmender Zeit, Höhe, Dunkelheit und dem stärker werdenden Wind, wurde mir allerdings recht mulmig zumute. Auch die Tatsache dass es immer steiler wurde und mein Schuhwerk nicht das Beste war, machten mir nicht mehr Mut. Die aufmerksamen Leser unter euch wissen ja was mit meinen Wanderschuhen passiert ist. Nach mehreren Panikmomenten, vorzeitigen Umkehrmanövern konnte ich mich dann doch dazu motivieren den Gipfel zu erklimmen. Oben angekommen konnte ich zum ersten Mal wirklich die Aussicht genießen und Fotos schießen. Um nicht in völliger Dunkelheit runterklettern zu müssen, machte ich mich mit meinem Chef schon etwas früher nach unten auf, der andere Kollege blieb am Gipfel um Fotos des wirklich atemberaubenden Nachthimmels zu machen. Nachdem das steile Stück überwunden war, wartete mein Chef dort auf den anderen Kollegen, ich ging alleine runter. Als es stockdunkel wurde, und ich mir immer nur einen kleinen Blick mit der Taschenlampe gönnte, da ich Angst hatte die Batterie würde nicht so lange halten, geriet ich in Panik hier mitten im Busch zusammen mit Schlangen und Spinnen gefangen zu sein. Ich nahm meine Beine in die Hand, und rannte wie ein Gestörter den Berg runter. Kurzeitig verlor ich dann den Fußweg, und hetzte durch dornige Büsche und über felsige Steine. Nach 15 Minuten Sprint durch die Australische, nächtliche karge Landschaft kam ich zerkratzt und klitschnass im Camp an. Heilfroh wieder gesund am Boden zu sein, grillten wir alle zusammen über dem wärmenden Feuer und schliefen dann mit unseren Schlafsäcken unterm Himmelszelt ein.

Am nächsten Tag sollten wir dann diese uminösen Sleeper aufladen. Auf der Suche nach ihnen fanden wir ein paar beeindruckende, ausgetrocknete Salzseen, die eine begehbare Salzkruste auf der Oberfläche gebildet hatten. Der wie See der so aussah, als ob er komplett mit Schnee bedeckt war, war der letzte Rastpunkt vor dem Aufladen der Sleeper.

Diese stellten sich als 70kg schwere, übrig gelassene Bretter, die unter Bahngleisen verlegt werden, herraus. Wir standen also alle in mitten der Australischen Wüste, luden bei über 30 Grad diese schweren Holzbretter auf die beiden Anhänger der Autos und hörten laut Country Musik. Nicht irgendwelche Country Musik, nein, es war EIN einziges Lied, noch dazu ein Kinderlied, das dort in Dauerschleife lief. Über Stunden. Nach getaner Arbeit war es fast besser als das Radio abgeschaltet wurde, als die Entspannung aus der Hitze rauszukommen. Während der Arbeit wurden wir außer von wenigen Autos von einem immens langen Zug der Güter von den Minen im Herzen Australiens zur Küste transportiert, sodass diese dann von dort nach China geschifft werden können. Dieser Zug war mit Eisenerz im Wert von 1 Mio Dollar beladen. Nur so als Fakt am Rande.

Auf dem Rückweg erfuhr ich dann auch noch am eigenen Leib dass die Aussage dass die großen Roadtrains für nichts, wirklich nichts bremsen, wahr ist. Als wir aus einer Tankstelle fuhren tauchte eines dieser ewig langen Monster hinter einer Kurve hinter uns auf. Nachdem er gerade noch Zeit hatte uns mit seiner ohrenbetäubenden Hupe klarzumachen dass wir aus dem Weg müssen, fuhren wir so schnell wie es geht nach links und rechts, während er in der Mitte durchschoss.

 

Die Fotos von diesem ereignissreichen Trip werde ich sobald es geht hier reinstellen. Nächste Woche kommt der Patrick zu mir, bis dahin haben wir hoffentlich schon ein Auto, und ich werde meinen Job aufgeben und mich auf einen weiteren Roadtrip mit ihm begeben.

Das entspannte Leben kann also kommen!

Bis Bald, Euer Chris